Schlagwort-Archive: Logopädie

Innovative Beratung in der Logopädie

Steiner, J. (2021). Innovative Beratung in der Logopädie. Handreichungen für die Praxis. Schulz-Kirchner Verlag. 196 Seiten.

Das Buch „Innovative Beratung in der Logopädie“ umfasst 11 Beiträge von 12 Autor*innen. Den größten Anteil nehmen dabei die fünf Artikel zur „Grundlegung“ im A-Teil ein. Mit Beharrlichkeit wird deutlich gemacht, dass Beratung im logopädischen Alltag – im Kontext der ICF-basierten Betrachtung der Lebenszusammenhänge von Patient*innen, eines gleichrangigen Miteinanders (Shared Decision Making) sowie einer steigenden Komplexität und Interdisziplinarität – als „obligater Teil“ (Steiner, 34) angesehen werden muss. Die Leser*in findet nicht nur Wissen zu Beratungssettings und -modellen, systemischen Haltungen und Tools sowie herausfordernden Beratungssituationen, sondern darüber hinaus bereits Ideen zur Verknüpfung mit ihrem therapeutischen Alltag (Fallbeispiele oder Checklisten). Die Beiträge „Sprachtherapeutische Beratung unter Berücksichtigung kultureller Vielfalt und Translingualität“ sowie „Beratung trifft Online-Coaching trifft Logopädie […]“ verdeutlichen den Innovationsanspruch des Buches, da sie die Themen Migration und Digitalisierung/ Onlinetätigkeit aufgreifen, die gesellschaftspolitisch aktuell hohe Relevanz besitzen.

Im B-Teil folgen weitere fünf Beiträge, die den Blick auf Beratungssettings in konkreten logopädischen Arbeitsfeldern (z.B. Frühtherapie, LRS-Therapie, Videoarbeit) richten. Beim Lesen dieser Artikel werden erneut Aspekte aus den Grundlegungen des A- Teils aufgegriffen. So findet beispielsweise im Artikel von K. Hirsch zur „LRS- Therapie bei Kindern und Jugendlichen […]“ die LFST (Lösungsorientierte Sprachtherapie) Erwähnung, die in enger Verbindung zu den grundlegenden „Eckpunkten der systemisch ausgerichteten Beratungspraxis in der Logopädie“ von J. Steiner steht. Die Fokussierung der Beratungstätigkeit lässt bekannte Methoden wie die Videoarbeit/-analyse im Kontext der Sprachentwicklungstherapie noch einmal in einem anderen, einem stark ressourcen- orientierten Licht erscheinen.

Den Abschluss bildet der Artikel von G. Newesely im C-Teil zum Thema „Schriftliche Formen der Kooperation“, in dem er auf das Verfassen von Berichten und Gutachten eingeht und damit auch noch einmal die Schriftsprache und ihre Bedeutung im logopädischen Behandlungsprozess ins Visier nimmt.

Das Buch besticht von Anfang an durch eine klare inhaltliche Struktur, eine fachlich anspruchsvolle und trotzdem gut verständliche Sprache sowie durch konkrete Überträge allgemeiner Beratungsgrundsätze in das logopädische Handlungsfeld. Auch die formale Gestaltung unterstützt den Lesefluss durch gelegentliche Hervorhebungen sowie Tabellen und Abbildungen (tw. leider sehr klein abgedruckt), verzichtet aber auf ein Überladen mit Zusammenfassungen, Markierungen und Fettdrucken.

Absolut lesenswert für Therapeut*innen mit wenig, aber auch mit viel Beratungserfahrung sowie für Lehrende, die dabei helfen Gesprächskompetenzen von zukünftigen Logopäd*innen/ Sprachtherapeut*innen weiterzuentwickeln.

Rezensentin: Jana Post (Fachrichtung Logopädie am UKH Halle/Saale)

BDSL Logopädie

Lexikalische und semantische Störungen bei Aphasie

Stadie, N., Hanne, S. und Lorenz, A. (2019). Lexikalische und semantische Störungen bei Aphasie. Thieme Verlag. 240 Seiten.

Im Fachbuch „Lexikalische und semantische Störungen bei Aphasie“ von Stadie, Hanne & Lorenz (2019) stellen die Autorinnen entsprechend des Buchtitels den aktuellen Wissensstand ausgehend von den Symptomen und Einflussfaktoren, über Modellvorstellungen bis hin zu Diagnostik und Therapie dar.

Die Autorinnen haben dabei den Anspruch, Theorie und Praxis aktuell, wissenschaftsbasiert und praxisorientiert darzulegen. Dafür gehen sie auf verschiedene psycholinguistische Theorien ein und leiten daraus das praktische Vorgehen für die Diagnostik und die Therapie ab. Ihre Erklärungen sind in allen Kapiteln sehr deutlich und verständlich. Zusätzlich erleichtern Praxisbeispiele, schematische Darstellungen, tabellarische Übersichten, Querverweise und kurze Zusammenfassungen die Arbeit mit dem Buch. Der Aufbau des Buches ist sehr gut strukturiert, sodass man sich Schritt für Schritt in die Thematik einarbeiten kann oder anhand der prägnant gewählten Überschriften auch zügig zur gewünschten Stelle findet. Mir hat besonders der Therapieteil sehr gut gefallen. Die Autorinnen stellen hier nicht nur die evidenzbasierte Praxis (EBP) und die internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) in den Mittelpunkt, sondern gehen auch auf die Notwendigkeit der Therapieevaluation ein. Hierfür empfehlen sie beispielsweise die SMART-Formel zur Erstellung und späteren Überprüfung von Therapiezielen. Bei den genannten therapeutischen Aufgaben, die sie aus Studien extrahiert haben, werden jeweils auch angenommene Wirkmechanismen, die aktuelle Evidenzlage sowie im Handel erhältliches Material angegeben. Zusätzlich erhält der Leser in übersichtlichen Praxisbeispielen mögliche Instruktionen, Beispiele, Hilfestellungen und Steigerungsmöglichkeiten.

Insgesamt haben die Autorinnen ein Fachbuch geschaffen, das Lust und Freude bereitet, sich mit der Thematik ausführlich auseinander zu setzen. Durch die hervorragende Struktur ist genau der richtige Tiefgang erreicht und auf Überflüssiges verzichtet worden. Ich kann dieses Fachbuch sowohl angehenden als auch berufserfahrenen Therapeuten empfehlen, denn es eignet sich gleichermaßen zur Aneignung, Auffrischung und Vertiefung des Wissens und somit als Studien- und Praxisbegleiter.

Rezensentin: Melanie Hapke (Logopädin (M.Sc.) in Pulmologie, Neurologie und Geriatrie, Referentin und Prüfungsmitarbeiterin

BDSL Logopädie

Testhandbuch Sprache in der Neurologie

Beushausen, U. und Grötzbach, H. (2019). Testhandbuch Sprache in der Neurologie. Diagnostikverfahren in Logopädie und Sprachtherapie. Schulz-Kirchner Verlag. 2. Auflage mit 256 Seiten.

Die erste Auflage des Testhandbuches ist bereits 2007 im Hans Huber Verlag erschienen, die vorliegende völlig neu bearbeitete zweite Auflage wurde 2019 beim Schulz-Kirchner-Verlag aufgelegt. Das Testhandbuch ist laut Beushausen/Grötzbach aus Besprechungen sprachtherapeutischer Tests von Studierenden der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim heraus entstanden.
Laut Autorinnen wurden in das Buch alle verfügbaren deutschsprachigen Tests zur Sprachtherapie aufgenommen (Stand März /2019). Dem entsprechend breit gefächert ist die Art der besprochenen Verfahren, die von Angehörigenfragebögen zur Kommunikationsfähigkeit bei Aphasie über komplette Testbatterien zur Pragmatik (Protocole MEC) bis hin zu Aspirationsschnelltests reichen. Zielsetzung des Testhandbuches ist es, als Nachschlagewerk zu dienen und einen Überblick über die wichtigsten deutschsprachigen Testverfahren zu neurologisch bedingten Sprach-, Sprech-, Stimm-, und Schluckstörungen zu geben. Das Testhandbuch umfasst die Besprechung von 35 Diagnostikverfahren zu den genannten Störungsbildern. Die Beiträge zu den einzelnen Tests sind strukturiert aufgebaut nach Testart, Geltungsbereich, Testmaterial, Testaufbau, Grundkonzept, Manual, Durchführung, Auswertung und Gütekriterien. Zusätzlich gibt es zu jeder Testbesprechung einen Kommentar, eine tabellarische Übersicht zu Vor- und Nachteilen des Tests, die Literaturangaben sowie die Nennung der jeweiligen Verfasserinnen. Das Testhandbuch bietet somit einen schnellen Überblick über die derzeit verfügbaren logopädischen und sprachtherapeutischen Diagnostikverfahren in der Neurologie. Durch die didaktisch gut gestalteten Beiträge erschließen sich schnell die Möglichkeiten und Grenzen eines besprochenen Diagnostikverfahrens. Bei der Nennung der Vor- und Nachteile fällt auf, dass nur bei manchen Tests die Größe der Normierungsstichprobe berücksichtigt wurde. Zudem wurden die Vorgaben bei den unterschiedlichen Tests in Bezug auf die Kritik bzw. in der tabellarischen Übersicht zu den Vor- und Nachteilen nicht immer einheitlich umgesetzt wurden. So wird bei manchen Tests bemängelt, dass nicht klar sei, für welche Ätiologie diese entwickelt wurden, während z.B. bei einem Testverfahren für Dysarthrie dies nicht thematisiert wird. Sehr praxisrelevant sind auch die Zeitangaben zu Testdauer und -auswertung. Hier verdeutlicht es sich, dass diese nach Ausrichtung der Fragestellung wenige Minuten (3-Ounce-Water-Swallow-Test) bis mehr als eine Stunde (z.B. Protocole MEC) beanspruchen können. Im einführenden Teil des Buches wurden Literaturangaben zur Teststatistik und -theorie sehr sparsam vorgenommen (S. 35-56). Auch wenn dies der Zielsetzung geschuldet sein sollte, ein möglichst verständliches Buch über Testtheorie und Testkonstruktion zu schreiben, wären mehr Referenzen angemessen. Da die Zielgruppe laut Autorinnen ja Praktikerinnen mit grundlegenden Kenntnissen in der Testtheorie/-konstruktion sind, wäre für diese die Nennung der verwendeten Quellen bzw. weiterführende Literatur in diesem Kapitel durchaus interessant und gewinnbringend.
Insgesamt ist das Testhandbuch eine lohnende Anschaffung, da es das einzige Werk dieser Art auf dem deutschsprachigen Markt ist und einen guten und verständlichen Überblick über verfügbare Diagnostikverfahren gibt. Der Preis für das Testhandbuch, das eine Fülle von Informationen für die sprachtherapeutische Diagnostik bietet, ist als günstig anzusehen.

Rezensentin: Dr. Julia Büttner-Kunert (LMU München, Studiengang Sprachtherapie)

Fotowettbewerb

— Achtung: noch bis 1. Juli 2020 —

Der Arbeitskreis Berufsgesetz (AK) verfolgt das Ziel die hochschulische Ausbildung in der Logopädie/ Sprachtherapie in einem neuen Berufsgesetz noch in dieser Legislaturperiode (Ende 09/2021) durchzusetzen.
Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen hat der AK für 2020 unterschiedliche Aktionen geplant, die aufgrund der Pandemie nicht in der geplanten Weise umgesetzt werden können. Daher kommt digitalen Aktionen eine besondere Bedeutung zu. Mit Hilfe eines Fotowettbewerbs will der AK seine Forderungen digital sichtbar machen.

Der Fotowettbewerb soll folgendes verdeutlichen:

  • Stand der hochschulischen Ausbildung in der Logopädie/Sprachtherapie
  • Forderungender zukünftigen Berufsangehörigen
  • Hochschulische Ausbildung JETZT!
  • Gemeinsames Berufsgesetz für alle Berufsgruppen im Bereich Logopädie/Sprachtherapie

Wie könnten Fotos gestaltet werden?
Die Fotos sollten die Botschaft „Hochschulische Ausbildung für die Logopädie/Sprachtherapie JETZT!“ vermitteln. Geeignet sind Selfies von Einzelpersonen oder mehreren Personen mit einem Smartphone. Zur Visualisierung können Bachelorhüte, selbst gemalte Schilder (mit Schrift oder Symbolen) und vieles andere
mehr eingesetzt werden. Je vielfältiger die Ideen umso besser.

Wer kann teilnehmen?
Alle Studierenden der Logopädie/Sprachtherapie an Berufsfachschulen und (Fach)Hochschulen sind aufgerufen an dieser Aktion teilzunehmen.
Was kann man gewinnen?
Die besten Fotos werden auf der Webseite des Arbeitskreises „www.arbeitskreis-berufsgesetz.de“ eingestellt.
Geplant ist zunächst eine Deutschlandkarte zur Visualisierung von Ausbildungsstandorten/Studiengängen mit den jeweils ausgewählten Fotos sowie Angabe von Namen der/s Studierenden, Ausbildungsort/Studiengang.

Wo und wie kann man sich bewerben?
Alle Bewerberinnen schicken ihre Fotos unter Angabe ihres Namens, Ausbildungsortes/ Studiengangs bis zum 1.Juli 2020 per Mail (Betreff: Fotowettbewerb des AK) an Dietlinde Schrey-Dern, Sprecherin des Arbeitskreises: info@arbeitskreis-berufsgesetz.de. Mit der Bewerbung erklären Sie als Rechteinhaberin gleichzeitig ihr Einverständnis zur unentgeltlichen Nutzung der/s Fotos für die Öffentlichkeitsarbeit des AK Berufsgesetz , d.h. der Veröffentlichung auf der Website „www.arbeitskreis.-berufsgesetzt.de“, der Nutzung auf den Social-Media-Kanälen, der Pressearbeit sowie gedruckten Publikationen des AK Berufsgesetz.
Die Auswahl der Bilder wird voraussichtlich bis 31.7.2020 von Mitgliedern des AK getroffen.

Dietlinde Schrey-Dern
(Sprecherin des Arbeitskreises Berufsgesetz)

Download: Fotowettbewerb

Kindliche Hörstörungen in der Logopädie

Bianca Wachtlin, Andrea Bohnert (2018): Kindliche Hörstörungen in der Logopädie, Georg Thieme Verlag KG

Ein Buch, das bemerkenswert umfassend zu mehr als der sprachlichen Seite einer kindlichen Hörstörung informiert und zur Logopädie und Beratung von Eltern hinführt. Besonders das Thema Implantatversorgung und logopädische Therapie bietet wertvolles Wissen zu einem Gebiet, das in manchen Therapiepraxen nur einen geringen Teil der Patienten betrifft.
Wer ein Buch sucht, das zu verschiedenen Aspekten der Behandlung kindlicher Hörschädigung informiert, wird hier in beeindruckender Form fündig.Der Inhalt bietet nach Anatomie und Physiologie des Hörens sowie der Darstellung der Sprachentwicklung im hörgeschädigten Kontext viel weiteres Wissen. Hervorzuheben ist dabei die Beschreibung aktueller audiologischer Diagnostik, der Hörgeräte/-Implantatversorgung und ebenso ein Überblick über geeignete logopädische Tests.
Das Erfahrungs- und Fachwissen der Autorinnen aus den zwei Disziplinen Audiologie und Logopädie bietet Fachlesern sowie interessierten Eltern Informationen zu folgenden Themen: Versorgung mit Hörsystemen, verschiedene Hörgerätetypen, Implantatsysteme, sowie deren Anpassung durch Hörgeräteakustiker oder Audiologen; mehrere logopädische Therapieansätze zur Behandlung kindlicher Hörstörungen und orientierende Angaben zu dem Zusammenhang der Hörgeräte- bzw. Implantatversorgung und der auf Erfahrung basierenden zu erwartenden sprachlichen Entwicklung.
Positiv ist für mich die gute Gliederung, die schnelles Nachschlagen zu einzelnen Themen nachträglich erleichtert. Sinnvoll ist der Hinweis auf die Vielfalt der technischen Systeme bei Implantatversorgung, ratsuchende Eltern können so informierter die Entscheidung über die Hörqualität ihres Kindes treffen.Praxisorientiert sind die Fallbeispiele zu günstigem und ungünstigem Umgang mit Hörgeräten, sowie Fallbeispiele zu sprachlichen Störungsbildern.
Angesichts der Häufigkeit von kindlichen Hörschädigungen ist es wichtig, Eltern und Kinder nicht nur gut logopädisch behandeln zu können, sondern eine Beratung der Eltern und die Anregung zu fachlichem Austausch mit den benachbarten Fachleuten ist von Bedeutung.Den Autorinnen ist es ein Anliegen, vielfältig über die technische sowie logopädische Entwicklung zu informieren, damit wirkungsvolle kindliche Therapie und individuelle technische Ausstattung erfolgen können.

Lisa Richemeier (Logopädin mit verschiedenen Tätigkeitsschwerpunkten in freien Praxen)

Der therapeutische Dialog

Wanetschka, V. (2017): Der therapeutische Dialog. Umgang mit Kontakt und Widerstand. Lehrbuch für Gesundheitsfachberufe. Therapie Lernen II
218 Seiten, 17 Abb., 41 Tab., 12 Arbeitsblätter/Fragebögen € [D] 28,50

Vera Wanetschka hat ein praxisnahes Lehrbuch zur Entwicklung therapeutischer Kommunikations- und Interaktionskompetenz im Ausbildungskontext von Gesundheitsfachberufen verfasst. Geleitet von der These, dass der Therapieerfolg zum großen Teil abhängig von einer konstruktiven Beziehungsgestaltung mit den jeweiligen Patienten ist, führt sie den Leser bewundernswert stringent in die grundlegenden Annahmen und Positionen zu Dialog, Kontakt und Widerstand der humanistischen Bewegung (Rogers, Perls, Buber, Maslow, Satir, Berne) und des systemisch/ konstruktivistischen Ansatzes (Watzlawick, Glaserfeld, Roth) ein. Ebenso diskutiert die Autorin die doppelte Subjektverschränkung in therapeutischen und pädagogischen Lehr-Lernprozessen und widmet sich der komplexen Frage von Gemeinsamkeiten und Unterschieden psychotherapeutischer, pädagogischer und logopädisch-therapeutischer Arbeit und deren Bedeutung für die berufliche Identitätsfindung.
Aufgrund der Beobachtung, dass BerufsanfängerInnen häufig hilflos bzw. destruktiv mit Widerständen seitens ihrer Patienten umgehen, entwickelte Vera Wanetschka mit ihren Kolleginnen an der Schule für Logopädie Bremen im Verlauf von über zwanzig Jahren ein seminaristisches Konzept zum Ausbau therapeutisch-dialogischer Kompetenzen. Die lernenden LogopädInnen erhalten in diesem praktischen Ausbildungszyklus einen geschützten Rahmen, in dem sie sich im Sinne des konstruktivistischen Lernverständnisses erlebend und reflektierend mit Deutungs- und Entscheidungsprozessen auseinandersetzen können. Die Präsentation dieses seminaristischen Konzeptes in seiner praktischen Umsetzung bildet das Herzstück der Publikation.
Das Konzept gliedert sich in zwei Module mit insgesamt sechs Blockseminaren, welche sich über einen zeitlichen Ausbildungsrahmen von sechs Wochen erstrecken. Die sechs Blockseminare sind sehr übersichtlich und strukturiert aufgebaut. Jedes Seminar enthält die konkreten und spezifisch formulierten Kompetenzziele, den Wochenplan mit zeitlicher und inhaltlicher Struktur in Form von Tabellen, theoretisches Hintergrund- und Anwendungswissen im Fließtext sowie die didaktischen Ansätze und konkreten methodischen Umsetzungen. Weiterführende Literatur- und Filmempfehlungen sowie Fotos bzw. Darstellungen von Arbeitsprozessen und -ergebnissen absolvierter Ausbildungszyklen runden die Seminarbeschreibungen ab.
Das übergeordnete Ziel reflektierende TherapeutInnen auszubilden, wird konsequent umgesetzt, indem in den einzelnen Blockseminaren kontinuierlich hermeneutisch-referentielle Prozesse ermöglicht werden. Hierfür werden erfahrungs- und handlungsorientierte Lernmethoden wie Rollenspiele, Beobachtung, Arbeit am konkreten Fall, kollegiale Ausbildungssupervision und Biografiearbeit gewählt. Instrumentelle Fertigkeiten und Kenntnisse wie z.B. aktives Zuhören, Auftragsklärung, Identifikation von „Antreibersätzen“ oder die Formulierung von Umdeutungen werden expliziert trainiert. Zahlreiche Übungen wie z.B. „Nilpferd, Boxer, Schaf“, „Komm, Geh, Stop“, „Spiegeltanz“, „Wer gab mir Flügel“-Plakate ermöglichen sinnliche und biographische Erlebnisaspekte.
Die verwendeten Methoden bzw. didaktischen Ansätze werden in den nachfolgenden Kapiteln des Buches ausführlich und nachvollziehbar beschrieben, so dass die Lust neue Wege auszuprobieren, geweckt wird. Im Anhang werden die Leser respektive Lehrenden zusätzlich von skizzierten Arbeits- und Fragebögen inspiriert. Die Reichhaltigkeit und Tiefgründigkeit der Inhalte sowie die didaktische Strukturierung der einzelnen Blockseminare sind beeindruckend präzise und dennoch kreativ. Die Autorin leistet für die Lehrenden und Lernenden in gesundheitlich-therapeutischen Ausbildungsprozessen einen unverzichtbaren Beitrag zur Entwicklung therapeutischer Identitätsbildung sowie kommunikativ-interaktiver Handlungskompetenz und intendiert damit eine tragfähige Beziehungsgestaltung mit den Patienten im Sinne einer „therapeutischen Allianz“. (Roth 2014 in Wanetschka 2017).

Stephanie Lehmann, Diplom-Medizinpädagogin, staatlich geprüfte Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin

Supervision in der klinisch-praktischen Logopädieausbildung

Antje Krüger (2017): Supervision in der klinisch-praktischen Logopädieausbildung. Wiesbaden, Springer-Verlag
Das vorliegende Buch ist die Veröffentlichung einer Masterarbeit, die das Ziel hat, den wichtigen Bereich der klinisch-praktischen Logopädie-Ausbildung auf eine solide wissenschaftliche Basis zu stellen und damit zum Erhalt interner Praktika mit supervidierten Lehrtherapien sowohl in der fachschulischen als auch der universitären Logopädieausbildung beizutragen. Die Autorin selbst ist langjährige Lehrlogopädin mit umfangreicher praktischer Erfahrung, die sich intensiv mit wissenschaftlich-theoretischen Modellen zu den Themen Lernen, Kompetenzentwicklung und Supervision auseinandergesetzt hat.Sie entwickelte daraus ein Konzept der Ausbildungssupervision, welches schlüssig darlegt, dass die durch LehrlogopädInnen supervidierte Praxisausbildung ein entscheidender Faktor für einen erfolgreichen Transfer theoretischen Wissens in das berufspraktische Handeln und die Kompetenzentwicklung jeder einzelnen SchülerIn bzw. StudentIn der Logopädie ist.Sie nennt ihr Konzept „Ausbildungssupervision + in der klinisch-praktischen Logopädieausbildung“, welches als Leitbild für Lehrende in diesem Bereich dienen kann.Wichtige Aspekte des Konzepts sind dabei: die Verbindung von Theorie und Praxis im Umgang mit Patienten, die Entwicklung einer guten beruflichen und persönlichen Reflexionsfähigkeit, die Findung einer Berufsrollenidentität mit ihren komplexen Anforderungen und Erwartungen sowie die Verbesserung der Fähigkeit zur sozialen Auseinandersetzung mit anderen Meinungen, Ansichten und Wahrnehmungsperspektiven.Neben der Entwicklung wichtiger Kompetenzen lt. Kompetenzprofil für die Logopädie des dbl (Untersuchen und Diagnostizieren, Therapieren, Beratung sowie Qualifizieren und Anleiten) legt die Autorin einen weiteren Schwerpunkt auf die Herausbildung der emotionalen Kompetenz bei Auszubildenden, die Voraussetzung für Selbstreflexion, Empathie und eine klientenzentrierte Grundhaltung ist.Hohe Qualitätsansprüche werden dabei auch an die LehrlogopädInnen, sowie die Träger und Institutionen der Ausbildung gestellt. Völlig zu Recht werden vergleichbare Qualifikationen von Lehrkräften, Fortbildungen sowie Supervisions-Ausbildungen angesprochen. Wichtiger jedoch erscheint eine institutionelle Anerkennung und Sicherung von Ausbildungssupervision in jeglicher Logopädieausbildung mit einheitlichen und fachgerechten Umsetzungsvorgaben.Dieses Buch richtet sich vor allem an Lehrende im Bereich Logopädie, die ihr tägliches praktisches Handeln kritisch reflektieren und mit aktuellen wissenschaftlichen und theoretischen Erkenntnissen in Zusammenhang bringen möchten. Obwohl es als wissenschaftliche Arbeit etwas höhere Ansprüche an Konzentration und Aufmerksamkeit stellt, lohnt sich die Beschäftigung mit der „Ausbildungssupervision +“ unbedingt, da sie viele anregende Impulse für die eigene praktische Lehrtätigkeit und die kollegiale Auseinandersetzung bietet.

Rezension von Uta Baum (MA Rehabilitationspädagogik / Soziologie)Lehrende der Fachrichtung Logopädie des Ausbildungszentrums für Gesundheitsfachberufe am Universitätsklinikum Halle/S.

Strategien der Sprachförderung im Kita-Alltag

Cordula Löffler / Franziska Vogt (Hg.) (2015): Strategien der Sprachförderung im Kita-Alltag Ernst Reinhardt Verlag; München Basel.
Es handelt sich um ein tolles Buch für Einsteiger im Bereich Kita-Förderung, welches auf dem Forschungsprojekt „Sprachförderung im Alltag von Spielgruppe, Kita und Kindergarten“ basiert. Löffler und Vogt forschten von 01/2012- 04/2014 an Hochschulen in Deutschland und der Schweiz. Die Projektteilnehmer waren SpielgruppenleiterInnen, ErzieherInnen und Kindergarten- Lehr- Personen. Ziel des Projektes war es, mithilfe einer Weiterbildung, die förderdiagnostische Kompetenz im Bereich Sprache zu verbessern.
Das Buch ist jedoch als Praxisbegleiter und nicht als Forschungsbericht konzipiert. Im Einführungsbeitrag werden ganz kurz zwei gegensätzliche Ansätze zur Sprachförderung gegenübergestellt. Zum einen die spezifischen Förderprogramme im Allgemeinen und zum anderen die alltagsintegrierte Sprachförderung.
Es dürfte besonders ansprechend für Jene sein, die im Kita-Alltag mit Sprachförderung zu tun haben, hat aber wiederum für jene Leser, die im sprachlichen Bereich ausgebildet sind, eher einen wiederholenden Charakter, welcher aber zur Auffrischung sehr hilfreich sein kann.Es handelt von der sprachlichen Förderung von Kindern zwischen drei und sechs Jahren, wobei der Fokus auf dem Dialog zwischen Kind und pädagogischer Fachkraft liegt. Die Autorinnen vertreten die Meinung, dass jede pädagogische Fachkraft Strategien kennen sollte, um Kinder im Spracherwerb wirksam fördern zu können. Sie geben dem Buch eine überschaubare Länge und gliedern die Strategien der Sprachförderung in fünf Themenbereiche: „Im Dialog mit Kindern“, „Schritt für Schritt den Wortschatz fördern“, „Sprache modellieren“, „Den Spracherwerb mit Fragen fördern und begleiten“ und „Redirect“.Diese sind in ebenso überschaubaren Kapiteln untergebracht, werden jeweils mit sehr gut verständlichen, alltäglich vorkommenden Beispielen unterlegt und mit Entwicklungstabellen veranschaulicht. Die Einblicke in die verschiedenen Strategien werden so detailliert beschrieben, dass man gut damit arbeiten und sich ebenso schnell in die Thematik einfinden kann.
Auf insgesamt 119 Seiten sind drei Abbildungen und 15 Tabellen untergebracht.Somit ist das Buch abwechslungsreich und praxisorientiert gestaltet.
Alles in allem: ein guter Begleiter für praxisnahe Arbeit, sehr gut verständlich formuliert.

Christina Fidyka (staatlich anerkannte Logopädin Halle S., tätig als Sprachfachkraft im Rahmen des Bundesprogramms „Sprach-Kitas – weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“)

Förderpreis 2018

1. Preis

„Warum sagst du nichts?“
Eine Informationsveranstaltung für angehende LehrerInnen zum Umgang mit Stottern
Autorinnen: Ayla Nielsen, Josephine Schomaker
(BFS Hamburg WOI)

2. Preis

Selektiver Mutismus bei Kindern
Welche Rolle spielt die interprofessionelle Zusammenarbeit bei der therapeutischen Begleitung selektiv mutistischer Kinder?
Autorin: Ella Reiner
(BFS Heidelberg, Universitätsklinikum)

3. Preis

Die Auswirkungen von prä- und postnatalem Stress auf das Lernverhalten und den Spracherwerb von Kindern und deren Relevanz in der Logopädie
Autorin: Mareike Bornecke
(BFS Bremen)

Download der Arbeiten
01-abstract_warum_sagst_du_nichts_2018.pdf – 108 kB
01-warum_sagst_du_nichts_2018_1.pdf – 4 MB
02-selektiver_mutismus_abstract_ella_reiner.pdf – 106 kB
02-selektiver_mutismus_hausarbeit_ella_reiner.pdf – 254 kB
03-abstract_auswirkung_von_stress_mit_allen_angaben.pdf – 98 kB
03-auswirkung_von_stress.pdf – 408 kB

BDSL Logopädie

Neue Studiengänge Logopädie und Ergotherapie an der Universität zu Lübeck

Bachelor of Science – Logopädie / Bachelor of Science – Ergotherapie

Zugangsvoraussetzungen
• Allgemeine Hochschulreife, einschlägig fachgebundene Hochschulreife oder als gleichwertig anerkannte Hochschulzugangsberechtigung
• Abgeschlossene Berufsausbildung zur LogopädIn nach LogopG bzw. zur ErgotherapeutIn nach ErgThGUmfang
• Vollzeitstudium mit 180 ECTS
• 4 universitäre Semester Regelstudienzeit (120 ECTS), Einstieg direkt ins 3. Fachsemester (Anerkennung der Berufsausbildung nach formaler Äquivalenzprüfung von 60 ECTS)
• Gleichzeitige fachtherapeutische Erwerbstätigkeit (in Teilzeit) wird im Studienverlaufsplan/Curriculum weitestgehend berücksichtigtBewerbung/Zulassung:
• Studienbeginn jeweils zum Wintersemester
• Infos zur Online-Einschreibung über das Studierenden-Service-Center https://www.uni-luebeck.de/studium/studierenden-service-center/index.html
• Beschränkung auf ca. 20 Plätze je Fachbereich
• Keine Studiengebühren
Informationen zu den beiden neuen additiven Bachelorstudiengängen Logopädie und Ergotherapie können über die Homepage der Universität zu Lübeck bezogen werden. Weiterführende inhaltliche Beratung gibt die Studiengangskoordinatorin Dr. Janine Simons.
Logopädie B.Sc. Ergotherapie B.Sc.
www.logo.uni-luebeck.de
www.ergo.uni-luebeck.de
Kontakt: studium.logo@uni-luebeck.de Tel: 0451 3101 1855
Kontakt: studium.ergo@uni-luebeck.deTel: 0451 3101 1854
Gesamter Artikel zum download:

 therapie_lernen_2017-18_luebeck-kl.pdf – 1 MB

BDSL Logopädie