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Neuropädiatrie für Sprachtherapeuten

Lücke, Thomas, Costard, Sylvia und Illsinger, Sabine (2017). Neuropädiatrie für Sprachtherapeuten. Elsevier Verlag. 304 Seiten und Online-Material.

Das Buch schließt eine Lücke in der Neurologischen Fachliteratur!
Ein interdisziplinäres Team von Expert*innen aus der Kinder- und Jugendmedizin, der klinischen Linguistik, Sprachheilpädagogik, der Phoniatrie, Pädaudiologie und Psychologie informiert fundiert über sprachtherapeutisch / logopädisch relevante Bereiche der Neuropädiatrie.
Das Buch vermittelt neben einer Einführung in die „Neuromedizin des Kindes- und Jugendalters“, Grundlagen zur physiologischen Entwicklung des Nervensystems und der Sprache sowie deren Störungen. Darauf aufbauend werden neuropädiatrische Störungsbilder und Erscheinungsformen erläutert. In der letzten Sektion wird ein Schwerpunkt auf besondere Aspekte der sprachtherapeutischen Diagnostik und Therapie im Rahmen der Neuropädiatrie gelegt.
Die einzelnen neurologischen Störungsbilder sind detailliert und verständlich beschrieben und mit vielen Referenzen belegt, sodass man leicht weiterführende Literatur findet. Das Layout ist sehr ansprechend und leserfreundlich. Viele Merkboxen, Illustrationen, Fallbeispiele und Fragen zur Wissensprüfung am Kapitelende erleichtern den Wissenserwerb. Am Ende des Buches findet man die Lösungen zu den Aufgaben und ein Glossar zu Fachbegriffen.
Über die einzelnen Kapitel hinweg wurden kontinuierlich Verknüpfungen zur sprachtherapeutischen Arbeit und zur physiologischen Sprachentwicklung vorgenommen. Beispielweise wurde die Darstellung von Komorbiditäten von Sprachentwicklungsstörungen durch eine tabellarische Übersicht über die altersgemäße Abfolge von Meilensteinen in der Sprachentwicklung ergänzt. Sehr erfreulich ist, dass aktuelle Diagnostikkriterien erläutert werden. In diesem Rahmen wird auch der Bezug von neuropädiatrischen Störungen zu sozio-kommunikativen Beeinträchtigungen und Pragmatikstörungen im DSM-V thematisiert wird. Es werden Verhaltensstörungen, neuromuskuläre neurometabolische und entzündliche Erkrankungen beschrieben. Auch Cerebralparesen und das im Kindes- und Jugendalter eher häufigere Störungsbild des Schädelhirntraumas werden behandelt. Bei der Darstellung von genetischen Erkrankungen wurden auch eher seltene Formen (z.B. wie das Pitt-Hopkins-Syndrom) berücksichtigt.
Im letzten Kapitel wird ausführlich auf besondere Aspekte der sprachtherapeutischen Diagnostik und Therapie eingegangen. Es werden u.a. Besonderheiten der pädaudiologischen Diagnostik oder der Therapie bei SSES im Rahmen von neuropädiatrischen Störungen sowie Aspekte der Sprachförderung von Kindern mit geistiger Behinderung erklärt. Den Ess-, Trink- und Fütterungsstörungen ist ebenfalls ein eigener Abschnitt gewidmet.
Zusammengefasst gibt das Buch einen umfassenden Eindruck in das sprachtherapeutische Handlungsfeld in der Neuropädiatrie.
Die Zielsetzungen des Buches fundierte Kenntnisse über die Hirnentwicklung und den Spracherwerb zu liefern und damit Grundlage für eine qualitativ hochwertige Sprachtherapie zu sein, ist dem Autorenteam sehr gelungen. Der Preis ist für die Fülle an Wissen zur Neuropädiatrie als günstig anzusehen.

Rezensentin: Dr. Julia Büttner-Kunert (LMU München, Studiengang Sprachtherapie)

BDSL Logopädie

Das FASD-Elternbuch

Kamphausen, U. und Leipholz, S. (2020). Das FASD-Elternbuch. Hilfen und Strategien für Eltern und Kinder. Schulz-Kirchner Verlag. 144 Seiten. ISBN: 978-3-8248-1263-9.

Wie im Untertitel angekündigt will das FASD-Elternbuch Hilfen und Strategien geben für Eltern und Kindern mit FASD. Es ist jedoch ein Gewinn für jeden im Gesundheitswesen Tätigen. Einerseits um mehr zu erfahren für den eigenen Umgang mit den Betroffenen. Andererseits um Anregungen geben zu können für den verständnisvollen Umgang innerhalb betroffener Familien. Oder um an entsprechende Fachstellen verweisen zu können. Zentral ist die Aussage, dass die Kinder sich wegen ihrer Beeinträchtigungen so verhalten, und nicht weil sie unerzogen sind.
Das Fetale Alkohol-Syndrom ist eine vorgeburtliche Schädigung durch Alkoholkonsum in der Schwangerschaft. Ein Kapitel handelt von dem Erstverdacht auf FASD bis hin zur Diagnose. Im weiteren werden die Symptome und Schwierigkeiten bei FASD ausführlich beschrieben. Denn wenn man einem FASD-Kind helfen und es begleiten will, dann ist der erste Schritt das Handicap FASD zu verstehen. Hervorgehoben wird, dass es eine FASD-gerechte Pädagogik benötigt mit anderen Strukturen und Hilfen als für gesunde Kinder. Denn bei gängiger, moderner Pädagogik vermehren sich die Probleme nur und die Kinder geraten in eine Abwärtsspirale aus Überforderung, Stress und scheitern. Neben einer Beschreibung des Verhaltens und dem sinnvollen Umgang damit nehmen deshalb Hinweise für Hilfen und Unterstützungsmöglichkeiten großen Raum ein. Dabei wird betont wie wichtig es ist, dass Eltern auch Entlastung finden in einem Unterstützerteam. Bauen Sie sich gezielt ein Unterstützerteam auf und pflegen Sie es bewusst. Denn es geht darum mit den alltäglichen Belastungen langfristig gut zurechtzukommen. Da es keine spezifische Therapie gibt müssen FASD-Kinder, ihre Kernfamilie und die erweiterte Familie gleichermaßen lernen mit der Behinderung FASD zu leben.
Insgesamt ein sehr lohnenswertes Buch!

Rezensent: Andreas Speth (Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie)

BDSL Logopädie

Testhandbuch Sprache in der Neurologie

Beushausen, U. und Grötzbach, H. (2019). Testhandbuch Sprache in der Neurologie. Diagnostikverfahren in Logopädie und Sprachtherapie. Schulz-Kirchner Verlag. 2. Auflage mit 256 Seiten.

Die erste Auflage des Testhandbuches ist bereits 2007 im Hans Huber Verlag erschienen, die vorliegende völlig neu bearbeitete zweite Auflage wurde 2019 beim Schulz-Kirchner-Verlag aufgelegt. Das Testhandbuch ist laut Beushausen/Grötzbach aus Besprechungen sprachtherapeutischer Tests von Studierenden der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim heraus entstanden.
Laut Autorinnen wurden in das Buch alle verfügbaren deutschsprachigen Tests zur Sprachtherapie aufgenommen (Stand März /2019). Dem entsprechend breit gefächert ist die Art der besprochenen Verfahren, die von Angehörigenfragebögen zur Kommunikationsfähigkeit bei Aphasie über komplette Testbatterien zur Pragmatik (Protocole MEC) bis hin zu Aspirationsschnelltests reichen. Zielsetzung des Testhandbuches ist es, als Nachschlagewerk zu dienen und einen Überblick über die wichtigsten deutschsprachigen Testverfahren zu neurologisch bedingten Sprach-, Sprech-, Stimm-, und Schluckstörungen zu geben. Das Testhandbuch umfasst die Besprechung von 35 Diagnostikverfahren zu den genannten Störungsbildern. Die Beiträge zu den einzelnen Tests sind strukturiert aufgebaut nach Testart, Geltungsbereich, Testmaterial, Testaufbau, Grundkonzept, Manual, Durchführung, Auswertung und Gütekriterien. Zusätzlich gibt es zu jeder Testbesprechung einen Kommentar, eine tabellarische Übersicht zu Vor- und Nachteilen des Tests, die Literaturangaben sowie die Nennung der jeweiligen Verfasserinnen. Das Testhandbuch bietet somit einen schnellen Überblick über die derzeit verfügbaren logopädischen und sprachtherapeutischen Diagnostikverfahren in der Neurologie. Durch die didaktisch gut gestalteten Beiträge erschließen sich schnell die Möglichkeiten und Grenzen eines besprochenen Diagnostikverfahrens. Bei der Nennung der Vor- und Nachteile fällt auf, dass nur bei manchen Tests die Größe der Normierungsstichprobe berücksichtigt wurde. Zudem wurden die Vorgaben bei den unterschiedlichen Tests in Bezug auf die Kritik bzw. in der tabellarischen Übersicht zu den Vor- und Nachteilen nicht immer einheitlich umgesetzt wurden. So wird bei manchen Tests bemängelt, dass nicht klar sei, für welche Ätiologie diese entwickelt wurden, während z.B. bei einem Testverfahren für Dysarthrie dies nicht thematisiert wird. Sehr praxisrelevant sind auch die Zeitangaben zu Testdauer und -auswertung. Hier verdeutlicht es sich, dass diese nach Ausrichtung der Fragestellung wenige Minuten (3-Ounce-Water-Swallow-Test) bis mehr als eine Stunde (z.B. Protocole MEC) beanspruchen können. Im einführenden Teil des Buches wurden Literaturangaben zur Teststatistik und -theorie sehr sparsam vorgenommen (S. 35-56). Auch wenn dies der Zielsetzung geschuldet sein sollte, ein möglichst verständliches Buch über Testtheorie und Testkonstruktion zu schreiben, wären mehr Referenzen angemessen. Da die Zielgruppe laut Autorinnen ja Praktikerinnen mit grundlegenden Kenntnissen in der Testtheorie/-konstruktion sind, wäre für diese die Nennung der verwendeten Quellen bzw. weiterführende Literatur in diesem Kapitel durchaus interessant und gewinnbringend.
Insgesamt ist das Testhandbuch eine lohnende Anschaffung, da es das einzige Werk dieser Art auf dem deutschsprachigen Markt ist und einen guten und verständlichen Überblick über verfügbare Diagnostikverfahren gibt. Der Preis für das Testhandbuch, das eine Fülle von Informationen für die sprachtherapeutische Diagnostik bietet, ist als günstig anzusehen.

Rezensentin: Dr. Julia Büttner-Kunert (LMU München, Studiengang Sprachtherapie)

Fotowettbewerb

— Achtung: noch bis 1. Juli 2020 —

Der Arbeitskreis Berufsgesetz (AK) verfolgt das Ziel die hochschulische Ausbildung in der Logopädie/ Sprachtherapie in einem neuen Berufsgesetz noch in dieser Legislaturperiode (Ende 09/2021) durchzusetzen.
Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen hat der AK für 2020 unterschiedliche Aktionen geplant, die aufgrund der Pandemie nicht in der geplanten Weise umgesetzt werden können. Daher kommt digitalen Aktionen eine besondere Bedeutung zu. Mit Hilfe eines Fotowettbewerbs will der AK seine Forderungen digital sichtbar machen.

Der Fotowettbewerb soll folgendes verdeutlichen:

  • Stand der hochschulischen Ausbildung in der Logopädie/Sprachtherapie
  • Forderungender zukünftigen Berufsangehörigen
  • Hochschulische Ausbildung JETZT!
  • Gemeinsames Berufsgesetz für alle Berufsgruppen im Bereich Logopädie/Sprachtherapie

Wie könnten Fotos gestaltet werden?
Die Fotos sollten die Botschaft „Hochschulische Ausbildung für die Logopädie/Sprachtherapie JETZT!“ vermitteln. Geeignet sind Selfies von Einzelpersonen oder mehreren Personen mit einem Smartphone. Zur Visualisierung können Bachelorhüte, selbst gemalte Schilder (mit Schrift oder Symbolen) und vieles andere
mehr eingesetzt werden. Je vielfältiger die Ideen umso besser.

Wer kann teilnehmen?
Alle Studierenden der Logopädie/Sprachtherapie an Berufsfachschulen und (Fach)Hochschulen sind aufgerufen an dieser Aktion teilzunehmen.
Was kann man gewinnen?
Die besten Fotos werden auf der Webseite des Arbeitskreises „www.arbeitskreis-berufsgesetz.de“ eingestellt.
Geplant ist zunächst eine Deutschlandkarte zur Visualisierung von Ausbildungsstandorten/Studiengängen mit den jeweils ausgewählten Fotos sowie Angabe von Namen der/s Studierenden, Ausbildungsort/Studiengang.

Wo und wie kann man sich bewerben?
Alle Bewerberinnen schicken ihre Fotos unter Angabe ihres Namens, Ausbildungsortes/ Studiengangs bis zum 1.Juli 2020 per Mail (Betreff: Fotowettbewerb des AK) an Dietlinde Schrey-Dern, Sprecherin des Arbeitskreises: info@arbeitskreis-berufsgesetz.de. Mit der Bewerbung erklären Sie als Rechteinhaberin gleichzeitig ihr Einverständnis zur unentgeltlichen Nutzung der/s Fotos für die Öffentlichkeitsarbeit des AK Berufsgesetz , d.h. der Veröffentlichung auf der Website „www.arbeitskreis.-berufsgesetzt.de“, der Nutzung auf den Social-Media-Kanälen, der Pressearbeit sowie gedruckten Publikationen des AK Berufsgesetz.
Die Auswahl der Bilder wird voraussichtlich bis 31.7.2020 von Mitgliedern des AK getroffen.

Dietlinde Schrey-Dern
(Sprecherin des Arbeitskreises Berufsgesetz)

Download: Fotowettbewerb

Kiefergelenk und Kaustörungen

Motzko, M., Weinert, M. und Albrecht, U. (2019). Kiefergelenk und Kaustörungen. Ein multidisziplinäres Praxisbuch. Springer Verlag. 193 Seiten.

In Zeiten, in denen manuelle Behandlungsansätze fachübergreifend gelehrt und evidenzbasierte Therapien gefordert werden, sind Fachbücher mit multidisziplinärem Ansatz von größtem Interesse. Das hier vorliegende eBook „Kiefergelenk und Kaustörung. Ein multidisziplinäres Praxisbuch.“, herausgegeben von Manuela Motzko, Melanie Weinert und Ulrike Albrecht (2019) vereint Beiträge von insgesamt elf Autorinnen und Autoren aus Zahnmedizin, Pflegeforschung, Physiotherapie, Osteopathie sowie Sprachtherapie. Auf insgesamt 193 Seiten wird in fünf Kapiteln auf die Entwicklung des Kauens, die Anatomie der am Kauen beteiligten Strukturen, deren funktionale Zusammenhänge, Pathologien und Funktionseinschränkungen sowie auf therapeutische Interventionsmaßnahmen eingegangen. Den Abschluss bildet ein Sachverzeichnis.
Den Herausgeberinnen war es ein Anliegen, „einen breiten Blick in die unterschiedlichen therapeutischen Maßnahmen“ (S. 5) zu geben, um eine fachübergreifende Behandlung von Patienten mit Kiefergelenks- und Kaustörungen anzuregen. Die unterschiedlichen Sichtweisen und Erfahrungen der Autorinnen und Autoren ermöglichen einen ganzheitlichen Überblick. Dieser umfasst einerseits Grundlagen in diesem speziellen Bereich und zeigt andererseits auch mögliche Probleme durch beispielsweise Alterungsprozesse, kieferorthopädische Behandlungen oder Stress, um nur einige zu nennen, auf. Zur Veranschaulichung werden Abbildungen in Form von Schemata und Fotos genutzt. Allerdings erscheinen diese häufig erst deutlich weiter hinter der Erwähnung im Text, wodurch sich ihr Nutzen reduziert. Tabellen dienen der übersichtlichen Zusammenfassung, z.B. im Bereich der Anamneseerhebung und zur Auflistung der Interventionsmaßnahmen. Am Ende der einzelnen Kapitel werden weiterführende Literaturangaben gemacht.
Aus therapeutischer Sicht sind meines Erachtens die ersten vier Kapitel sehr interessant, da hier die Thematik umfangreich, anspruchsvoll und aus unterschiedlichen fachlichen Blickwinkeln beleuchtet wird. Wünschenswert wäre hier jedoch, wenn es eine Übereinstimmung zwischen den verschiedenen Autorinnen und Autoren gäbe. So sprechen sich die einen ausdrücklich für die Begrifflichkeit „Zunge in Schwebe“ aus und begründen nachvollziehbar, warum „Zunge am Platz“ bei Patienten unerwünschte Effekte hervorrufen kann. An anderer Stelle liest man dann wieder von der alt bekannten „Zungenruhelage“. Das letzte und damit fünfte Kapitel empfand ich zudem als sehr heterogen. Zu Beginn erfährt man sehr viel über das physiotherapeutische Behandlungsspektrum im Allgemeinen, jedoch fehlt mir hier überwiegend der konkrete Bezug zur Thematik. Wahrscheinlich könnte man diese Abhandlung auch in einem anderen Fachbuch mit anderer Thematik ganz ähnlich abdrucken. Anschließend wird auf das Konzept der Basalen Stimulation eingegangen, wobei ich hier vor allem den Schreibstil (z.B. „wir“, „uns“) und den Aufbau als verbesserungsfähig empfinde. Zwar illustrieren die Autoren diesen Bereich mit Patientenbeispielen, dies allerdings in einer etwas unübersichtlichen, sprunghaften Art und Weise. Diesem Abschnitt folgt der Fachbereich Logopädie. Hier geben sich die Autorinnen große Mühe, Übungen konkret zu verschriftlichen. Leider fehlen in dieser Sammlung sämtliche wissenschaftlichen Belege zur Wirksamkeit der aufgeführten Maßnahmen. Der Auflistung möglicher Behandlungskonzepte fehlen ebenso die Quellenangaben. Zudem werden keine Bezugsquellen oder Herstellerangaben für die einzelnen, vorgeschlagenen Therapiematerialien gemacht. Wer sich dafür interessiert, muss selber recherchieren. Der Bereich des K-Tapings beginnt wie der Bereich Physiotherapie sehr allgemein mit Erklärungen über das K-Taping an sich. Hier wird im Verlauf jedoch spezifischer auf die Behandlungsmöglichkeiten bei Kiefergelenks- und Kauproblematiken eingegangen. Evidenzen fehlen auch hier. Abschließend erfolgt eine Vorstellung verschiedener Schienen und der daraus resultierenden zahnmedizinischen Behandlung. Dies stellt aus meiner Sicht einen kleinen Höhepunkt in diesem Kapitel dar.
Obwohl durch das Buch die fachübergreifende Zusammenarbeit angeregt werden soll, finden sich nur in ganz wenigen Abschnitten Hinweise für derlei Möglichkeiten bzw. werden Grenzen des eigenen Fachbereichs genannt. Vorbildlich sind hierbei vor allem die Sprachtherapeutinnen. Ein fachübergreifend diskutiertes Patientenbeispiel oder eine solche Behandlungsplanung wäre sehr interessant gewesen und hätte das Buch hervorragend abgerundet.
Zu kritisieren sind die oftmals fehlenden Quellenangaben im Text, wobei dies auf einige Autorinnen und Autoren bzw. Kapitel mehr zutrifft als auf andere. Da auch Ärzte und Krankenkassenvertreter zunehmend die Wirksamkeit therapeutischer Maßnahmen hinterfragen, empfinde ich dieses Fehlen als absoluten Mangel, der in einem neu erschienenen Fachbuch nicht vorkommen sollte. Da hilft es auch nicht, als Quelle oder weiterführende Literatur am Kapitelende ein paar in die Jahre gekommene Übersichtswerke aufzulisten. Beim aufmerksamen Lesen fallen zudem noch viele Flüchtigkeitsfehler auf: fehlende Buchstaben, falsch benannte Abbildungen, Deklinationsfehler usw. Diese Flüchtigkeitsfehler ziehen sich leider durch viele Teile des Buches und lassen dadurch eine gewisse Sorgfalt vermissen. Das ist schade für all jene Autorinnen und Autoren, die diesem Buch einen wunderbaren, sorgfältig verfassten Beitrag beigesteuert haben.
Hinsichtlich einer Lese- oder Kaufempfehlung bin ich daher geteilter Meinung. Das Buch hat durchaus ein sehr großes Potenzial, weil es inhaltlich überwiegend lesenswert und lehrreich ist. Allerdings würde ich mir eine Überarbeitung und Ergänzung dringend wünschen.

Rezensentin: Melanie Hapke (Logopädin (M.Sc.) in Pulmologie, Neurologie und Geriatrie, Referentin und Prüfungsmitarbeiterin)

Kiefergelenk und Kaustörungen

Diagnostik von Sprach- und Kommunikationsstörungen im Kindesalter

Spreer, M. (2018). Diagnostik von Sprach- und Kommunikationsstörungen im Kindesalter. Methoden und Verfahren. 302 Seiten. Ernst Reinhardt Verlag.

In seinem Lehrbuch bietet Markus Spreer Logopädinnen, Sprachtherapeutinnen und Sprachheilpädagoginnen einen umfassenden Überblick über die Diagnostik von Sprach- und Kommunikationsstörungen im Kindesalter. Basierend auf dem aktuellen Erkenntnisstand deckt er eine Bandbreite von sprachlichen Beeinträchtigungen ab und geht dabei auch auf bisher weniger beschriebene Bereiche, wie Früherfassung sprachlicher Fähigkeiten oder Sprachdiagnostik bei Mehrsprachigkeit, ein. In den einführenden drei Kapiteln werden verständlich die Grundlagen des diagnostischen Handelns gelegt, das diagnostische Vorgehen in unterschiedlichen Kontexten beschrieben, wie inklusive Schule oder sprachtherapeutische Praxis, sowie die gängigsten Methoden der Sprachdiagnostik und deren Anwendungsmöglichkeiten erläutert. Im weiteren Verlauf wird systematisch auf die Spezifika der Diagnostik in den einzelnen sprachlichen Bereichen, wie Aussprache, Grammatik, Wortschatz und Wortfindung, Sprachverständnis, Pragmatik, Redefluss, Schriftsprache und Stimme, eingegangen. Dabei wird die Entwicklung der jeweiligen Fähigkeiten beschrieben, auf die Prinzipien und Methodologie der Diagnostik eingegangen und diagnostische Verfahren genannt. An dieser Stelle ist die zum Werk gehörige Online-Datenbank hervorzuheben, die den registrierten Leserinnen und Lesern eine gezielte Suche nach dem geeigneten Diagnoseverfahren ermöglicht. Besonders hilfreich ist auch die tabellarische Übersicht der aktuellen diagnostischen Verfahren mit Angabe der Zielgruppe am Ende des Buches. Der Mehrwert des Werkes wird durch weitere Kapitel noch deutlicher, in denen auf Themenbereiche, wie etwa Diagnostik der Sprache als Teil der Gesamtentwicklung oder Diagnostik im Bereich der unterstützen Kommunikation eingegangen wird.

Der Autor hat es sich zum Ziel gesetzt, trotz der hohen Komplexität dieses Themas einen umfassenden Überblick zu Diagnostik im Bereich Sprache und Kommunikation zu geben. Diesem Anspruch wird die Publikation gerecht. Sie kann als umfassendes, systematisches Lehrbuch verstanden werden, von dem sowohl Studierende und Dozierende, als auch Personen, die in der Praxis tätig sind, profitieren können, wenn sie sich bei der Auswahl der geeigneten diagnostischen Methode an dem aktuellen Erkenntnisstand der Wissenschaft orientieren wollen.

Rezensentin: Frau Prof. Dr. phil. Marianna Hricová
Wissenschaftliche Studiengangsleitung Logopädie an der FHM Bamberg

BDSL Logopädie

Therapie funktioneller Stimmstörungen

Brügge, Walburga & Mohs, Katherina (2014): Therapie funktioneller Stimmstörungen, Übungssammlung zu Körper, Atmung, Stimme. 7. Auflage. München: Ernst Reinhardt Verlag.186 Seiten für 24,90 Euro

Ich fand den Aufbau des Buches sehr übersichtlich und strukturiert, was mir den Umgang damit, speziell die schnelle Suche nach geeigneten Übungen erleichterte. Dabei waren besonders die grün markierten Felder mit den Therapiezielen hilfreich. Insgesamt fand ich die Gestaltung gelungen, da ich jedoch ein eher visueller Typ bin, wäre mir eine vielfältigere Farbgestaltungen lieber gewesen. Die Übungsbeschreibungen empfinde ich als klar und verständlich, die Zeichnungen als sehr hilfreich, da diese schön schlicht gehalten sind und die Zielposition/-bewegung sehr gut verdeutlichen. Das macht den Einsatz des Buches in meinen Augen besonders in kurzfristigen Therapieplanungen wirklich nützlich. Die Übung auf S. 70 in der Abb. 16 b ist für mich und viele meiner Logopäden-Kolleginnen, mit denen ich gesprochen habe, aufgrund der eigenen Körperstatur oder der des Patienten nicht möglich durchzuführen. Darüber hinaus wurde sie von meinem Patienten als unangenehm empfunden. Der Teil x. „Übertrag in den Alltag“ kommt meiner Meinung nach etwas zu kurz, zumal die Transferleistung oftmals der entscheidende und schwierigste Teil in einer Therapie ist. Insgesamt finde ich es eine sehr gelungenes Buch!

Rezension von Marianne Hagen (Logopädin B.A.)
Lehrlogopädin Fachbereich Stimme am Institut „Die Schule“ in Bochum

BDSL Logopädie

Bündnis Therapieberufe

Das Netzwerk, das seit Anfang dieses Jahres zusammenarbeitet hat sich offiziell am 25.11.19 den Namen „Bündnis Therapieberufe an die Hochschulen“ gegeben. Das Bündnis Therapieberufe an die Hochschulen beinhaltet die größten und relevantesten Berufs- und Ausbildungsverbände der Therapieberufe Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie und repräsentiert über 130.000 Ausübende und Auszubildende sowie die führenden Zusammenschlüsse der Hoch- und Berufsfachschulen.

Um den zukünftigen Herausforderungen, wie dem demographischen Wandel, der Zunahme psychischer und neurologischer Erkrankungen sowie dem Fachkräftemangel zu begegnen und die hochwertigen Standards unseres Gesundheitssystems zu erhalten, muss eine grundlegende Ausbildungsreform der Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie umgesetzt werden.

Alle maßgeblichen Branchenverbände sind sich einig und sprechen mit einer Stimme: Eine vollständig hochschulische Berufsausbildung dieser Therapieberufe ist alternativlos.
Nur so können die Gesundheitsversorgung von morgen nachhaltig interdisziplinär und evidenzbasiert gestaltet und die Therapeuten und Therapeutinnen adäquat auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet werden.

Die Weichen dafür müssen jetzt gestellt werden.

Im Anhang finden Sie das Positionspapier des Bündnisses Therapieberufe an die Hochschulen sowie die erste Pressemitteilung. Beide Dokumente werden aktuell in einer Mailingaktion an gesundheits- und hochschulpolitische Institutionen sowie Parteien auf der Bundesebene versandt und werden auch noch weiter versendet werden (z.B. Bundestag/gesundheitl./bildungs-bzw. hochschulpolitische Fachausschüsse, Bundesrat/ebenfalls die entsprechenden Fachausschüsse). Gerne können Sie das Positionspapier und die Pressemitteilung an Interessierte weiterleiten.

Bernhard Borgetto
Hochschulverbund Gesundheitsfachberufe e.V., 1. Vorsitzender
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Positionspapier
Pressemitteilung

BDSL Logopädie