Kindliche Hörstörungen in der Logopädie

Bianca Wachtlin, Andrea Bohnert (2018): Kindliche Hörstörungen in der Logopädie, Georg Thieme Verlag KG

Ein Buch, das bemerkenswert umfassend zu mehr als der sprachlichen Seite einer kindlichen Hörstörung informiert und zur Logopädie und Beratung von Eltern hinführt. Besonders das Thema Implantatversorgung und logopädische Therapie bietet wertvolles Wissen zu einem Gebiet, das in manchen Therapiepraxen nur einen geringen Teil der Patienten betrifft.
Wer ein Buch sucht, das zu verschiedenen Aspekten der Behandlung kindlicher Hörschädigung informiert, wird hier in beeindruckender Form fündig.Der Inhalt bietet nach Anatomie und Physiologie des Hörens sowie der Darstellung der Sprachentwicklung im hörgeschädigten Kontext viel weiteres Wissen. Hervorzuheben ist dabei die Beschreibung aktueller audiologischer Diagnostik, der Hörgeräte/-Implantatversorgung und ebenso ein Überblick über geeignete logopädische Tests.
Das Erfahrungs- und Fachwissen der Autorinnen aus den zwei Disziplinen Audiologie und Logopädie bietet Fachlesern sowie interessierten Eltern Informationen zu folgenden Themen: Versorgung mit Hörsystemen, verschiedene Hörgerätetypen, Implantatsysteme, sowie deren Anpassung durch Hörgeräteakustiker oder Audiologen; mehrere logopädische Therapieansätze zur Behandlung kindlicher Hörstörungen und orientierende Angaben zu dem Zusammenhang der Hörgeräte- bzw. Implantatversorgung und der auf Erfahrung basierenden zu erwartenden sprachlichen Entwicklung.
Positiv ist für mich die gute Gliederung, die schnelles Nachschlagen zu einzelnen Themen nachträglich erleichtert. Sinnvoll ist der Hinweis auf die Vielfalt der technischen Systeme bei Implantatversorgung, ratsuchende Eltern können so informierter die Entscheidung über die Hörqualität ihres Kindes treffen.Praxisorientiert sind die Fallbeispiele zu günstigem und ungünstigem Umgang mit Hörgeräten, sowie Fallbeispiele zu sprachlichen Störungsbildern.
Angesichts der Häufigkeit von kindlichen Hörschädigungen ist es wichtig, Eltern und Kinder nicht nur gut logopädisch behandeln zu können, sondern eine Beratung der Eltern und die Anregung zu fachlichem Austausch mit den benachbarten Fachleuten ist von Bedeutung.Den Autorinnen ist es ein Anliegen, vielfältig über die technische sowie logopädische Entwicklung zu informieren, damit wirkungsvolle kindliche Therapie und individuelle technische Ausstattung erfolgen können.

Lisa Richemeier (Logopädin mit verschiedenen Tätigkeitsschwerpunkten in freien Praxen)

Zirkeltraining für die Stimme

Knuth, M. (2018): Zirkeltraining für die Stimme. Lehrer und Trainerband sowie Übungsheft Sprechstimme. Idstein. Schulz-Kirchner-Verlag.

Matthias Knuth, staatlich geprüfter Gesangslehrer, funktionaler Stimmbildner und Dozent für Stimmbildung, entwickelte, angeregt durch die Fragen und Rückmeldungen der Teilnehmer seiner Seminare, ein funktionales Stimmschulungskonzept, welches sich an Behandler (Lehrer- und Trainerband) und Klienten (Übungsheft) gleichermaßen wendet.Der Trainerband (210 Seiten A5) ist in die drei Teile: „Grundlagen“, „Anregungen für den Gruppenunterricht“ und „Kommentare zum Übungsteil“ untergliedert.Im Grundlagenteil beschäftigt sich der Autor in 23 Kapiteln auf 110 Seiten ausführlich mit der Funktionalität der Stimmgebung. Themen wie der Einfluss der Primärfunktionen der Stimmorgane auf die Phonation, die Doppelventilfunktion, die wechselseitige Beeinflussung zwischen größeren Muskelgruppen (Muskelschlingen) und der Muskulatur des Phonationsbereiches (Spannungsketten), die Stimmregister oder der Einsatz bestimmter Reflexe und Bewegungsprinzipien werden in logischer Abfolge behandelt und die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Bereichen immer wieder herausgestellt. Die Anwenderverbundenheit des Autors zeigt sich beispielsweise im Kapitel „Was soll eine geschulte Stimme können“, in dem tabellarisch stimmbildnerische Themen und Ziele so dargestellt werden, dass dem Leser eine Übertragung auf eigene Therapieprozesse ermöglicht wird. Mit Betrachtungen zur Atmung, bei denen der Autor auf die Bedeutung der Stütze und des Abspannens, auch im Kontext des populären, aber „grenzwissenschaftlich(en)“ (ebd., 128) Konzeptes der Atemtypenlehre nach Wilk, verweist, endet der Grundlagenteil.Teil zwei ist mit nur vier Seiten deutlich kürzer als der erste. Der Autor bietet darin Möglichkeiten zur Übungsdurchführung in der Gruppe an. Der intentionale Aspekt des miteinander Sprechens steht dabei im Vordergrund, eine explizite Formulierung der Übungsziele wie in den folgenden Kommentaren zum Übungsteil erfolgt nicht.Als Ergänzung zum separaten Übungsheft findet der Leser im dritten Teil des Buches die Kommentare zu selbigem. Während die Anleitung der 18 Stationen und 8 Kombinationen im Übungsheft (80 Seiten A4) für Klienten konzipiert wurde und deshalb nur kurze Zielformulierungen, verständliche Übungsanleitungen und das dazugehörende Übungsmaterial (Silben, Wörter, Texte, …) enthält, werden im Lehrer- und Trainerband noch weitere Details beschrieben. In einer immer gleichen inhaltlichen und formalen Vorgehensweise präzisiert der Autor an dieser Stelle die Übungsziele und passt diese somit dem Wissen der Fachleser an. Außerdem benennt er Variationen für die Durchführung und gibt unter „Hinweise“ Informationen zur Anatomie/ Physiologie oder zu weiteren Umsetzungsmöglichkeiten. Hilfreich ist auch, dass der Leser bei Bedarf den Verweisen auf ausführliche Beschreibungen im Grundlagenteil folgen kann.„Zirkeltraining für die Stimme“ von Mathias Knuth ist eine Bereicherung für alle, die sich intensiv mit den physiologisch/ anatomischen Grundlagen der funktionalen Stimmgebung beschäftigen wollen und gleichzeitig nach geeigneten Umsetzungsmöglichkeiten suchen. Durch eine am Leser orientierte, fachlich fundierte, aber verständliche Sprache, durch Abbildungen, Hervorhebungen und v.a. eine Vielzahl von Übersichtstabellen wird das Verstehen der theoretischen Inhalte gewährleistet. Die Ausführlichkeit des Grundlagenteils erlaubt auch ein Maß an Redundanz, welches die Aufnahme der Informationen zusätzlich unterstützt. Die Angabe der herangezogenen Quellen in der Fußzeile ermöglicht einen schnellen Überblick darüber, welche Autoren/ Titel Knuth seinen Ausführungen zu Grunde legt. Das Übungsheft bietet Behandlern, die ihre Arbeit eng am Übungsteil des Autors ausrichten, die Möglichkeit, dem Patienten/ Klienten eine übersichtliche und systematische Grundlage für das häusliche Üben zur Verfügung zu stellen und somit das Arbeiten in der Therapie/ Stimmbildung effektiv zu unterstützen. Der Preis von 21,00 Euro erscheint dafür angemessen. Möglicherweise können die kurzen, zumeist verständlichen und eindeutigen Formulierungen des Autors durch spezifische Begriffe/ Durchführungshinweise aus der spezifischen Arbeitsbeziehung noch ergänzt und konkretisiert werden. Da die Übungsanweisungen des Übungsheftes im Lehrer- und Trainerband nicht noch einmal abgebildet sind, sondern nur durch Variationen und Hinweise ergänzt werden, ist der Kauf von Buch und Übungsheft empfehlenswert.

Jana Post, Lehrlogopädin am Ausbildungszentrum für Gesundheitsfachberufe des Universitätsklinikums Halle (Saale)

Der therapeutische Dialog

Wanetschka, V. (2017): Der therapeutische Dialog. Umgang mit Kontakt und Widerstand. Lehrbuch für Gesundheitsfachberufe. Therapie Lernen II
218 Seiten, 17 Abb., 41 Tab., 12 Arbeitsblätter/Fragebögen € [D] 28,50

Vera Wanetschka hat ein praxisnahes Lehrbuch zur Entwicklung therapeutischer Kommunikations- und Interaktionskompetenz im Ausbildungskontext von Gesundheitsfachberufen verfasst. Geleitet von der These, dass der Therapieerfolg zum großen Teil abhängig von einer konstruktiven Beziehungsgestaltung mit den jeweiligen Patienten ist, führt sie den Leser bewundernswert stringent in die grundlegenden Annahmen und Positionen zu Dialog, Kontakt und Widerstand der humanistischen Bewegung (Rogers, Perls, Buber, Maslow, Satir, Berne) und des systemisch/ konstruktivistischen Ansatzes (Watzlawick, Glaserfeld, Roth) ein. Ebenso diskutiert die Autorin die doppelte Subjektverschränkung in therapeutischen und pädagogischen Lehr-Lernprozessen und widmet sich der komplexen Frage von Gemeinsamkeiten und Unterschieden psychotherapeutischer, pädagogischer und logopädisch-therapeutischer Arbeit und deren Bedeutung für die berufliche Identitätsfindung.
Aufgrund der Beobachtung, dass BerufsanfängerInnen häufig hilflos bzw. destruktiv mit Widerständen seitens ihrer Patienten umgehen, entwickelte Vera Wanetschka mit ihren Kolleginnen an der Schule für Logopädie Bremen im Verlauf von über zwanzig Jahren ein seminaristisches Konzept zum Ausbau therapeutisch-dialogischer Kompetenzen. Die lernenden LogopädInnen erhalten in diesem praktischen Ausbildungszyklus einen geschützten Rahmen, in dem sie sich im Sinne des konstruktivistischen Lernverständnisses erlebend und reflektierend mit Deutungs- und Entscheidungsprozessen auseinandersetzen können. Die Präsentation dieses seminaristischen Konzeptes in seiner praktischen Umsetzung bildet das Herzstück der Publikation.
Das Konzept gliedert sich in zwei Module mit insgesamt sechs Blockseminaren, welche sich über einen zeitlichen Ausbildungsrahmen von sechs Wochen erstrecken. Die sechs Blockseminare sind sehr übersichtlich und strukturiert aufgebaut. Jedes Seminar enthält die konkreten und spezifisch formulierten Kompetenzziele, den Wochenplan mit zeitlicher und inhaltlicher Struktur in Form von Tabellen, theoretisches Hintergrund- und Anwendungswissen im Fließtext sowie die didaktischen Ansätze und konkreten methodischen Umsetzungen. Weiterführende Literatur- und Filmempfehlungen sowie Fotos bzw. Darstellungen von Arbeitsprozessen und -ergebnissen absolvierter Ausbildungszyklen runden die Seminarbeschreibungen ab.
Das übergeordnete Ziel reflektierende TherapeutInnen auszubilden, wird konsequent umgesetzt, indem in den einzelnen Blockseminaren kontinuierlich hermeneutisch-referentielle Prozesse ermöglicht werden. Hierfür werden erfahrungs- und handlungsorientierte Lernmethoden wie Rollenspiele, Beobachtung, Arbeit am konkreten Fall, kollegiale Ausbildungssupervision und Biografiearbeit gewählt. Instrumentelle Fertigkeiten und Kenntnisse wie z.B. aktives Zuhören, Auftragsklärung, Identifikation von „Antreibersätzen“ oder die Formulierung von Umdeutungen werden expliziert trainiert. Zahlreiche Übungen wie z.B. „Nilpferd, Boxer, Schaf“, „Komm, Geh, Stop“, „Spiegeltanz“, „Wer gab mir Flügel“-Plakate ermöglichen sinnliche und biographische Erlebnisaspekte.
Die verwendeten Methoden bzw. didaktischen Ansätze werden in den nachfolgenden Kapiteln des Buches ausführlich und nachvollziehbar beschrieben, so dass die Lust neue Wege auszuprobieren, geweckt wird. Im Anhang werden die Leser respektive Lehrenden zusätzlich von skizzierten Arbeits- und Fragebögen inspiriert. Die Reichhaltigkeit und Tiefgründigkeit der Inhalte sowie die didaktische Strukturierung der einzelnen Blockseminare sind beeindruckend präzise und dennoch kreativ. Die Autorin leistet für die Lehrenden und Lernenden in gesundheitlich-therapeutischen Ausbildungsprozessen einen unverzichtbaren Beitrag zur Entwicklung therapeutischer Identitätsbildung sowie kommunikativ-interaktiver Handlungskompetenz und intendiert damit eine tragfähige Beziehungsgestaltung mit den Patienten im Sinne einer „therapeutischen Allianz“. (Roth 2014 in Wanetschka 2017).

Stephanie Lehmann, Diplom-Medizinpädagogin, staatlich geprüfte Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin

Supervision in der klinisch-praktischen Logopädieausbildung

Antje Krüger (2017): Supervision in der klinisch-praktischen Logopädieausbildung. Wiesbaden, Springer-Verlag
Das vorliegende Buch ist die Veröffentlichung einer Masterarbeit, die das Ziel hat, den wichtigen Bereich der klinisch-praktischen Logopädie-Ausbildung auf eine solide wissenschaftliche Basis zu stellen und damit zum Erhalt interner Praktika mit supervidierten Lehrtherapien sowohl in der fachschulischen als auch der universitären Logopädieausbildung beizutragen. Die Autorin selbst ist langjährige Lehrlogopädin mit umfangreicher praktischer Erfahrung, die sich intensiv mit wissenschaftlich-theoretischen Modellen zu den Themen Lernen, Kompetenzentwicklung und Supervision auseinandergesetzt hat.Sie entwickelte daraus ein Konzept der Ausbildungssupervision, welches schlüssig darlegt, dass die durch LehrlogopädInnen supervidierte Praxisausbildung ein entscheidender Faktor für einen erfolgreichen Transfer theoretischen Wissens in das berufspraktische Handeln und die Kompetenzentwicklung jeder einzelnen SchülerIn bzw. StudentIn der Logopädie ist.Sie nennt ihr Konzept „Ausbildungssupervision + in der klinisch-praktischen Logopädieausbildung“, welches als Leitbild für Lehrende in diesem Bereich dienen kann.Wichtige Aspekte des Konzepts sind dabei: die Verbindung von Theorie und Praxis im Umgang mit Patienten, die Entwicklung einer guten beruflichen und persönlichen Reflexionsfähigkeit, die Findung einer Berufsrollenidentität mit ihren komplexen Anforderungen und Erwartungen sowie die Verbesserung der Fähigkeit zur sozialen Auseinandersetzung mit anderen Meinungen, Ansichten und Wahrnehmungsperspektiven.Neben der Entwicklung wichtiger Kompetenzen lt. Kompetenzprofil für die Logopädie des dbl (Untersuchen und Diagnostizieren, Therapieren, Beratung sowie Qualifizieren und Anleiten) legt die Autorin einen weiteren Schwerpunkt auf die Herausbildung der emotionalen Kompetenz bei Auszubildenden, die Voraussetzung für Selbstreflexion, Empathie und eine klientenzentrierte Grundhaltung ist.Hohe Qualitätsansprüche werden dabei auch an die LehrlogopädInnen, sowie die Träger und Institutionen der Ausbildung gestellt. Völlig zu Recht werden vergleichbare Qualifikationen von Lehrkräften, Fortbildungen sowie Supervisions-Ausbildungen angesprochen. Wichtiger jedoch erscheint eine institutionelle Anerkennung und Sicherung von Ausbildungssupervision in jeglicher Logopädieausbildung mit einheitlichen und fachgerechten Umsetzungsvorgaben.Dieses Buch richtet sich vor allem an Lehrende im Bereich Logopädie, die ihr tägliches praktisches Handeln kritisch reflektieren und mit aktuellen wissenschaftlichen und theoretischen Erkenntnissen in Zusammenhang bringen möchten. Obwohl es als wissenschaftliche Arbeit etwas höhere Ansprüche an Konzentration und Aufmerksamkeit stellt, lohnt sich die Beschäftigung mit der „Ausbildungssupervision +“ unbedingt, da sie viele anregende Impulse für die eigene praktische Lehrtätigkeit und die kollegiale Auseinandersetzung bietet.

Rezension von Uta Baum (MA Rehabilitationspädagogik / Soziologie)Lehrende der Fachrichtung Logopädie des Ausbildungszentrums für Gesundheitsfachberufe am Universitätsklinikum Halle/S.

Sprachtherapie mit hörgeschädigten Kindern und Jugendlichen

Häußinger, C. (2016): Sprachtherapie mit hörgeschädigten Kindern und Jugendlichen – Die Wort-S(ch)atz-Lupe. 1. Auflage. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH. 156 Seiten, 49,99 €.
Mit ihrem Buch „Sprachtherapie mit hörgeschädigten Kindern und Jugendlichen“ bietet die Autorin eine verständliche Einführung in die semantisch-lexikalische Therapie bei hörgeschädigten Kindern im Vorschul- und Schulalter. In fünf umfassenden Kapiteln werden der physiologische Spracherwerb, Sprachentwicklungsstörungen und –verzögerungen, Diagnostik und Therapie semantisch-lexikalischer Störungen und die Methode der Wort-S(ch)atz-Lupe dargestellt. In den ersten beiden Kapiteln wird mit Blick auf das im weiteren Verlauf vorgestellte Therapiekonzept verständlich auf die allgemeinen Grundlagen von Semantik und Lexikon eingegangen. Dargestellt werden mögliche Einflussfaktoren, Ursachen und Auswirkungen von Sprachentwicklungsstörungen und –verzögerungen auf die Lautsprachentwicklung. Im Kapitel Anamnese und Sprachdiagnostik findet der Leser sowohl eine Auflistung aktueller, normierter Diagnostikverfahren als auch für die Praxis hilfreiche Erläuterungen zu deren Anwendung und besonderen Interpretation bei hörgeschädigten Kindern. Ein eigener Anamnesebogen mit 16 Fragen zu den Bereichen Hörschädigung, Familie und soziales Umfeld und Ressourcen des Kindes ergänzt das Kapitel stimmig.Der Hauptteil des Buches stellt das Konzept der Wort-S(ch)atz-Lupe vor. Zu Beginn des Kapitels werden Rahmenbedingungen und allgemeine Prinzipien beschrieben und anwendungsorientiert erläutert. Im Anschluss wird die eigentliche Methode vorgestellt. Die Themen und Materialien werden nicht nur theoretisch beschrieben, sondern durch anschauliche Erläuterungen, die eine Anwendung der Methode erleichtern, untermauert. Die Darstellung von Fallbespielen kombinieren die theoretisch erlernten Inhalte mit Erfahrungen aus der eigenen therapeutischen Praxis. Zu dem vorgestellten Therapieansatz liegen leider bisher keine ausreichenden Evidenzen vor. Das gesamte Bildmaterial zu den Therapiebausteinen ist als Kopiervorlage am Ende des Buches zu finden.Insgesamt bietet das Buch einen soliden Überblick über die Grundlagen zum Spracherwerb bei hörgeschädigten Kindern und ermöglicht es dem Leser auf leichtem Weg, auch ohne spezielles Vorwissen, sich vor dem Hintergrund aktueller Fragenstellungen, in die Methodik der semantisch-lexikalischen Sprachtherapie einzufinden und diese anzuwenden.

Vertr.Prof.in Dr. phil. Vanessa HoffmannStudiengangsleitung Health Care Studies Fachbereich Gesundheit und Pflege

Strategien der Sprachförderung im Kita-Alltag

Cordula Löffler / Franziska Vogt (Hg.) (2015): Strategien der Sprachförderung im Kita-Alltag Ernst Reinhardt Verlag; München Basel.
Es handelt sich um ein tolles Buch für Einsteiger im Bereich Kita-Förderung, welches auf dem Forschungsprojekt „Sprachförderung im Alltag von Spielgruppe, Kita und Kindergarten“ basiert. Löffler und Vogt forschten von 01/2012- 04/2014 an Hochschulen in Deutschland und der Schweiz. Die Projektteilnehmer waren SpielgruppenleiterInnen, ErzieherInnen und Kindergarten- Lehr- Personen. Ziel des Projektes war es, mithilfe einer Weiterbildung, die förderdiagnostische Kompetenz im Bereich Sprache zu verbessern.
Das Buch ist jedoch als Praxisbegleiter und nicht als Forschungsbericht konzipiert. Im Einführungsbeitrag werden ganz kurz zwei gegensätzliche Ansätze zur Sprachförderung gegenübergestellt. Zum einen die spezifischen Förderprogramme im Allgemeinen und zum anderen die alltagsintegrierte Sprachförderung.
Es dürfte besonders ansprechend für Jene sein, die im Kita-Alltag mit Sprachförderung zu tun haben, hat aber wiederum für jene Leser, die im sprachlichen Bereich ausgebildet sind, eher einen wiederholenden Charakter, welcher aber zur Auffrischung sehr hilfreich sein kann.Es handelt von der sprachlichen Förderung von Kindern zwischen drei und sechs Jahren, wobei der Fokus auf dem Dialog zwischen Kind und pädagogischer Fachkraft liegt. Die Autorinnen vertreten die Meinung, dass jede pädagogische Fachkraft Strategien kennen sollte, um Kinder im Spracherwerb wirksam fördern zu können. Sie geben dem Buch eine überschaubare Länge und gliedern die Strategien der Sprachförderung in fünf Themenbereiche: „Im Dialog mit Kindern“, „Schritt für Schritt den Wortschatz fördern“, „Sprache modellieren“, „Den Spracherwerb mit Fragen fördern und begleiten“ und „Redirect“.Diese sind in ebenso überschaubaren Kapiteln untergebracht, werden jeweils mit sehr gut verständlichen, alltäglich vorkommenden Beispielen unterlegt und mit Entwicklungstabellen veranschaulicht. Die Einblicke in die verschiedenen Strategien werden so detailliert beschrieben, dass man gut damit arbeiten und sich ebenso schnell in die Thematik einfinden kann.
Auf insgesamt 119 Seiten sind drei Abbildungen und 15 Tabellen untergebracht.Somit ist das Buch abwechslungsreich und praxisorientiert gestaltet.
Alles in allem: ein guter Begleiter für praxisnahe Arbeit, sehr gut verständlich formuliert.

Christina Fidyka (staatlich anerkannte Logopädin Halle S., tätig als Sprachfachkraft im Rahmen des Bundesprogramms „Sprach-Kitas – weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“)

Bausteine der kindlichen Entwicklung

Ayres, Jean A. (2016). Bausteine der kindlichen Entwicklung – Sensorische Integration verstehen und anwenden. Neuauflage. Springer Verlag. Preis 22,99 €.
Dieses Fachbuch mit den zahlreichen Informationen ist eine lohnende Anschaffung für jeden Sprachtherapeuten / jede Sprachtherapeutin, um Grundwissen in der sensorischen Integration zu erlangen.Unterteilt ist dieses Buch in drei Abschnitte: „Sensorische Integration und das Gehirn“ liefert die theoretischen Grundlagen u.a. über die Entwicklung der sensorischen Integration. Der zweite Abschnitt „Störungen der sensorischen Integration“ geht präzise und detailliert auf Störungen des Gleichgewichtssystems sowie der visuellen und auditiven Wahrnehmung ein und bietet Exkurse zur Entwicklungsdyspraxie und Autismus an. Der dritte Abschnitt „Was getan werden kann“ zeigt dem Leser / der Leserin leider nur kurz die Behandlungsmöglichkeiten bei einer sensorischen Integrationsstörung auf.Die besonders wichtigen Informationen sind am Rand verzeichnet. Dies trägt zur guten Lesbarkeit dieses Fachbuches bei, denn durch diese ist das schnelle Nachlesen der relevanten Erläuterungen möglich. Die Erklärungen werden bildlich unterstützt und durch die blau hervorgehobenen Felder „Sensorische Integration verstehen“ erhält der Leser / die Leserin Anregungen zur Selbsterfahrung. Dadurch wird das Verständnis für den zuvor erlesenen Inhalt unterstützt. Auch die sog. „Elterninformationen“ sind blau hervorgehoben und enthalten bspw. Checklisten zur Bewegungsplanungsentwicklung bei Kindern. Diese sind auch für Sprachtherapeuten / Sprachtherapeutinnen übersichtlich und schlüssig gestaltet. Durch Patientenbeispiele in jedem Kapitel werden die erlesenen Inhalte in ein Fallbeispiel transferiert, was ebenfalls zu einer verbesserten Lesbarkeit beiträgt. Merklich sind die vielen Wiederholungen in diesem Fachbuch, was individuell für jeden Leser / für jede Leserin zugleich festigend, als auch ermüdend wirken kann. Die Expertenkommentare im Anhang, welche fachlich verständlich formuliert wurden, sind sehr interessant und auch die Anmerkungen der Übersetzerin verleihen einigen Originalinhalten durch die neuen Forschungsergebnisse Aktualität.

Carolin Weyer(Staatlich anerkannte Logopädin, B.Sc. Logopädie, M.Sc. Health Professions Education, Lehrende an der Akademie der Gesundheit im Fachbereich Logopädie)

Therapie bei Sprachentwicklungsstörungen

Brügge, W. und Mohs, K. (2016). Therapie bei Sprachentwicklungsstörungen. Eine Übungssammlung. 5. Auflage. 262 Seiten. München: Ernst Reinhardt Verlag.

Dieses Buch ist eine Bereicherung für jede erfahrene Logopädin und auch für Berufseinsteiger, da die enthaltenen umsetzbaren Spielvorschläge neuen kreativen Input für die eigenen Therapien liefern. Es werden sowohl die sprachlichen Ebenen Sprachverständnis, Lexikon / Semantik, Syntax / Morphologie und Artikulation als auch die „unmittelbar in Zusammenhang stehenden Leistungen“ wie Mundmotorik, auditive Wahrnehmung und phonologische Bewusstheit, Körperwahrnehmung, Spannung und Haltung sowie Feinmotorik beleuchtet. Durch die ansprechende Gestaltung jedes einzelnen Kapitels ist eine Übersichtlichkeit gegeben und ein schnelles Nachschlagen möglich.In jedem Kapitel werden Ziele formuliert, welche die Therapieplanung erleichtern. Zusätzlich erteilen die Autorinnen allgemeine Handlungs- und Therapiehinweise mit Steigerungsmöglichkeiten und Variationen der einzelnen Übungen, die eine komplexe und abwechslungsreiche Therapiegestaltung ermöglichen. Diese Hinweise und die Empfehlungen für die Elternarbeit sind vorallem für junge Therapeutinnen hilfreich.Der Schwerpunkt dieses Buches liegt auf dem Kapitel „Artikulation“, welches allgemeine Spielvorschläge für die Laut-, Silben-, Wort- und Satzebene enthält und jeden einzelnen Laut umfassend und praktisch beleuchtet, sowie auf dem Kapitel „auditive Wahrnehmung und phonologische Bewusstheit“, welches ein fokussiertes Arbeiten direkt am Störungsschwerpunkt des Patienten erlaubt. Auch das Kapitel „Mundmotorik“ bietet mit teilweise bewährten als auch mit neuen Spielvorschlägen und bildlicher Unterstützung neue Inspiration für die eigene Therapie. Spielvorschläge zu den Bereichen Sprachverständnis, Lexikon / Semantik und Syntax / Morphologie sind in den entsprechenden Kapiteln des Buches vorhanden, bereichern erfahrene Logopädinnen allerdings nur bedingt durch neue Therapieideen. Hervorzuheben sind die detaillierten Wort- und Materiallisten der Kapitel „Mundmotorik“, „Semantik und Wortschatz“, „auditive Wahrnehmung und phonologische Bewusstheit“ sowie „Morphologie und Syntax“, welche sich im Anhang des Buches befinden.

Carolin Weyer (Staatlich anerkannte Logopädin, B.Sc. Logopädie, M.Sc. Health Professions Education, Lehrende an der Akademie der Gesundheit im Fachbereich Logopädie)